Welche Kundengruppen kaufen Bildrechte bei Bildagenturen

Welche Kundengruppen kaufen Bildrechte bei Bildagenturen


Hier aus meiner langen Erfahrung als Betreiber einer erfolgreichen Bildagentur einige Zielgruppen und deren spezifischen Anforderungen im Detail. Neben diesen gibt es, je nach Medienart und Inhalt, noch weitere Kundengruppen. Beim Vertrieb von Videos an TV-Produktionen oder beim Vertrieb von Musikrechten gelten andere Anforderungen.

Lernen Sie Ihre Zielgruppen kennen und erstellen Sie für diese ein unwiderstehliches Angebot!






Redaktionen:

Redakteure müssen für Beiträge und Artikel zu zeitlich relevanten Themen ständig neues Material einkaufen. In größeren Unternehmen gibt es dazu eine eigene Bildredaktion.
Die Arbeit der Redaktionen können Sie unterstützen, indem Sie zu bestimmten Themen mit einem deutlichen Vorlauf von einigen Wochen eine aktuelle Auswahl zusammenstellen. Diese Themen sollten ständig auf Relevanz und Aktualität geprüft werden.
Manche Redakteure wünschen auch aktiv, von Medienproduzenten per Newsletter über neue Inhalte und Themen informiert zu werden.

Bei der Zahlungsweise sollten Sie sich auf die Anforderungen des Unternehmen einstellen. Viele große Redaktionen zahlen nur per Anstrich. Das bedeutet für den Medienanbieter, dass es unter Umständen hier einen für die Verwendung der Motive bereits vom Unternehmen selbst festgelegten Preis gibt und dieser erst bei Verwendung "angestrichen" und per Gutschrift an Sie ausbezahlt wird.

Wenn Sie einen Redakteur bzw. die Bildredaktion überzeugt haben und der Kontakt hergestellt ist, haben Sie eine sehr gute Chance, langfristig und von allen Dingen regelmäßig Motive verkaufen zu können.

Exklusivität:

Verkaufen Sie Motive z. B. an Verlage, die Kalender oder Poster produzieren, wird das Thema Exklusivität relevant. Bei Exklusivität gilt es zu beachten, dass man diese Option sofort nach der Erstellung sichert. Ein Bild, welches bereits in mehreren Agenturen eingestellt wurde, eignet sich nicht mehr für den exklusiven Verkauf, da einige Agenturen die eingestellten Medien auch über weitere Partner anbieten.

Falls das Motiv hier verkauft wurde, erhalten Sie die Meldung dazu evtl. erst mit einer deutlichen Verzögerung. Damit könnten Sie in die Situation geraten, dass Sie die zugesicherte Exklusivität rückwirkend nicht mehr gewährleisten können und sich im Zweifelsfall schadensersatzpflichtig machen könnten.

Teilexklusivität:

Beim exklusiven Verkauf bietet sich auch die Option, die Exklusivität zu begrenzen und trotzdem dem Kunden in seinem gewünschten Bereich abzusichern. Diese Teilexklusivität kann z. B. regionaler Natur sein (z. B. Veröffentlichung in Deutschland), die Zeit einschränken (2016 - 2017) oder auch nur eine Branche (Automobilindustrie) oder einen konkreten Verwendungszweck (z. B. Kalender) einschließen.

Dadurch schränken Sie sich im weiteren Vertrieb kaum ein. Wichtig ist nur, dass andere Kunden direkt beim Kauf auf diese Nutzungseinschränkung deutlich hingewiesen werden.






Werbeagenturen:

Hier einige Tipps für die optimale Zusammenarbeit mit Werbeagenturen.

Layout-Bilder:

Die Werbeagenturen arbeiten für einen Kunden und erstellen einzelne Werbekonzepte, die einem Kunden i. d. R. vor dem Kauf der eigentlichen Rechte präsentiert werden. Deswegen benötigen Redaktionen bereits vor dem Kauf größere Voransichten der Motive (Layout-Bilder). Die kleinen Vorschaubilder reichen in der Regel nicht aus, wenn es um Druckerzeugnisse (Flyer, Prospekte, Plakete) geht. Es ist eine nicht einfache Gradwanderung einer Agentur vorab bereits Motive in höherer Qualität zur Verfügung zu stellen. Einerseits sollen die Bilder so gut sein, dass diese einen Kunden in der Präsentation von der Qualität überzeugen, aber andererseits muss man sich auch davor schützen, dass die Bilder ohne den Kauf der Rechte verwendet werden.

Gerade bei Print-Produkten ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass Sie ein illegal verwendetes Motiv wiederfinden und selbst wenn, beziehen Sie die Strafzuschläge bei einer Abmahmung auf den von Ihnen regulär verlangten Preis.
Trotzdem verschaffen Sie sich einen Wettbewerbsvorteil, wenn Sie hier großzügig sind.

Übertragung von Nutzungsrechte an Dritte:

Kann die Werbeagentur mit dem Konzept überzeugen, werden die Motive häufig auch von der Agentur bestellt und an den Kunden weiterberechnet. Deswegen könnte man überlegen, ob die einmalige Übertragung von Nutzungsrechten auf einen Dritten bereits in den Geschäftsbedingungen eingeplant wird. Ein weiterer Weg ist es, dass die Agentur einen Kundenzugang im Auftrag des Kunden verwendet.

Nennung des Urhebers:

Ist nichts vereinbart, kann der Urheber eines Motives darauf bestehen bei der Verwendung genannt zu werden. Im Bereich der werblichen Verwendung z. B. in einem Flyer, ist die Nennung des Urhebers aber häufig nicht vom Kunden gewünscht oder uneingeschränkt möglich. Deswegen bleibt zu überlegen, welche Regeln man dazu definiert und wie realistisch man die Urhebernennung nach der Veröffentlichung verfolgt. Achten Sie aber auch darauf, dass Sie diese Entscheidung nicht nur für sich, sondern auch für alle beteiligten Fotografen Ihrer Agentur treffen. Bei einzigartigen Bildern mit einem hohen künstlerischen Anspruch (z.B. Geo, Stern) wird man hier deutlich höhere Anforderungen stellen können als bei einfachen Stockmotiven (z. B. Werbeflyer für eine Versicherung).






Kleine Unternehmen:

Eine besondere Zielgruppe sind kleine Unternehmen. Hier geht es darum, zu günstigen Preisen ganz konkrete Motive für die eigene Verwendung einbinden zu können. Häufig haben die Kunden auch wenig Ahnung, was Bildrechte kosten und welche Rechte Sie für die Verwendung benötigen. Diese Kundengruppe findet Ihre Bilder vielleicht eher zufällig (z. B. über die Google Bildersuche - mehr zum Thema später im Bereich SEO) und will diese Motive einfach und schnell verwenden können.

Typische Anwendungen sind z. B. Präsentationen, Preisliste, Speisenkarten, Webseiten und einfache Prospekte. Diese Zielgruppe hat häufig einen sehr konkreten Bedarf und gleichzeitig sehr wenig Erfahrung beim Kauf und Verwendung von Motiven. Hier ergeben sich häufig Möglichkeiten, zusätzliche Dienstleistungen anzubieten. Die Motive und Leistungen müssen dabei nicht zwangsläufig extrem günstig sein, sie müssen nur dem ganz konkreten Bedarf des Kunden entsprechen. Hier kann es auch Sinn machen, das Angebot einer Agentur auf eine Kundengruppe zuzuschneiden.

Beispiele für Angebote an Branchen & Dienstleistungen mit einem hohen Anteil von Einzelunternehmern
  • Passende Motive für Dienstleister ( z. B. Versicherungsvertreter, Makler,.. )
  • Typische Imbissgerichte inkl. Entwicklung auf Klebefolien, Typische Motive für Speisekarten
  • Plaketewerbung für unabhängige Einzelhändler (z. B. Modeläden, Buchhandel)

Bei manchen Kunden dieser Zielgruppe (z. B. bei kleinen Gastronomiebetrieben) kann die Nutzung einer einfachen Vorzahlungsmethode wie PayPal oder Sofortüberweisung sinnvoll sein. Gerade wenn der Kunde spontan Motive kauft, die er vielleicht später doch nicht verwendet hat.






Mittelstand- und große Unternehmen:

Im Mittelstand und bei großen Unternehmen werden Teile der Werbung direkt und regelmäßig im Unternehmen produziert. Ein gutes Budget ist hier in der Regel durchaus vorhanden und hier ist es wie auch bei Redaktionen besonders interessant, auf Kundenwünsche einzugehen und so einen dauerhaften und persönlichen Kontakt aufzubauen.

Es gibt zahlreiche Kunden, die immer wieder bei der gleichen, bekannten Agentur einkaufen - einfach weil Sie es gewohnt sind. Der Kunde vertraut einem Anbieter, kennt das System und hat u. U. überhaupt nicht die Zeit (oder Motivation) zig Angebote zu vergleichen.

Hier sollten Sie die Kunden auffordern, bei speziellen Anforderungen sich bei Ihnen zu melden. Hier können Sie als Anbieter einfach viel schneller und kundengerechter als eine der bereits etablierten Agenturen agieren.

Beispiele für besondere Kundenanforderungen
  • Erweiterte Lizenzen für Unternehmensgruppen oder Franchiseunternehmen
  • Exklusive Lizenzen für wichtige Keyvisuals
  • Spezielle Varianten von vorhandenen Motiven
  • Kundenaufträge für dringend benötigte Motive
Bei dieser Zielgruppe ist die Zahlung auf Rechnung ein geringeres Risiko als bei kleinen Unternehmen.






Dienstleistungenanbieter für Dritte:

Diese Gruppe produziert eine Dienstleistung für weitere Unternehmen, die Bild- und Medienrechte mit einschließen sollen und benötigt dafür extrem umfassende erweiterte Nutzungsrechte. Es geht also um den Weiterverkauf von Rechten eingebunden in eine weitere, umfassenden Dienstleistung.

Beispiele für Dienstleistungenanbieter
  • Motive für Website-Baukästen oder Webdesign-Templates
  • Motive für Online-Gestaltung von Drucksachen
  • Texturen & Hintergründe für 3D-Anwendungen
  • Hintergrundclips oder Musik für Videoschnittsoftware

Diese Zielgruppe benötigt also extrem umfassende Rechte. Hier ist die persönliche Verhandlung mit dem Kunden unerlässlich, um eine für diese Nutzung spezielle Vereinbarung zu treffen. Möchte der Kunde den Preis drücken, da er z. B. diese Dienstleistung zum ersten Mal anbietet, können Sie Ihm anbieten, die Nutzungsrechte einzuschränken (Zeit, Nutzungsart, Kundenanzahl, Auflösung, Auflage, usw.).

Damit hat er die Möglichkeit, diese Rechte im ersten Schritt etwas günstiger zu erwerben und falls der Kunde erfolgreich mit seinem Konzept ist, sind Sie in der perfekten Position, entsprechend höhere Entgelte bei der Erweiterung der Nutzungsrechte zu verlangen.

Beispiele für Einschränkung der Nutzungsrechte finden Sie später im Abschnitt Preismodelle für Bildagenturen.

Ich habe z. B. mehrere Dutzend relativ einfach zu produzierende Hintergrundmotive an den Marktführer für Fotobuch-Software erfolgreich verkauft. Später wurden die bereits weitreichenden Nutzungsrechte dieser Motive nochmals vom Kunden deutlich erweitert.






Privatkunden:

Wenn man den Kundenkreis auf Privatanwender erweitern möchte (B2C = Business to Customer) und Medien nicht ausschließlich an gewerbliche Nutzer (B2B = Business to Business) verkauft, gibt es einige weitere Regeln zu beachten.

Fernabsatzgesetz:

Als erstes sollte Ihnen klar sein, dass bei Verkauf an Endkunden (B2C) ein erweitertes Recht zum Widerruf der Bestellung gilt. Bei digitalen Waren ist die Rückabwicklung einer Bestellung nicht nachvollziehbar. Man muss also dem Kunden vertrauen, dass er die Datei nicht verwendet.

Button-Gesetz:

Durch das Button-Gesetz sollten die Abofallen begrenzt werden. Grundsätzlich ist das auch gelungen, aber dafür müssen Shop-Betreiber jetzt einige komplexe Regeln beachten (z.B. Bezeichnung des „Kaufen“ Buttons). Weitere Informationen dazu finden Sie online.

Mehrwertsteuer:

Beim Verkauf an Endkunden müssen Sie alle Preise inkl. MwSt. anzeigen lassen. Wenn Sie physische Produkte (Versand) und nicht ausschließlich Bildrechte anbieten, sollten Sie 19 % MwSt. aufschlagen. Weitere Informationen kann Ihnen dazu Ihr Steuerberater geben.

Grundsätzlich wird es also deutlich komplexer, wenn man Privatkunden beliefern möchte. Deswegen muss man hier die Vor- und Nachteile für das ganze System abwägen.






Martin Baumann
Über der Autor
  • Martin Baumann, Geschäftsführer Idenos GmbH
  • Gründer der adpic Bildagentur (2003 - 2013)
  • Entwickler & Anbieter der Bildagentur-Software xmstore
  • Über 20 Jahre Erfahrung in der Medienbranche
  • Freier Fotograf & Kameramann mit mehr als 20.0000 eigenen Medien im Vertrieb
  • Zitat:
    "Obwohl der eigene Bildbestand nur ein Nebenprodukt von Auftragsarbeiten und Projekten von mir ist, konnte ich in den letzten Jahren damit, alleine über die eigene Agentur, einen sechs-stelligen Umsatz (Euro) erwirtschaften"


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